Digitales Mobilitätsportal für die schleswig-holsteinischen Kommunen

Digitales Mobilitätsportal für die schleswig-holsteinischen Kommunen

„Mobilität ist für die Menschen in unserer Region das Thema überhaupt“, erzählt der Borgstedter Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Hüttener Berge Gero Neidlinger. „Wenn wir es nicht schaffen, die Menschen in unserer Region mobil zu halten, dann laufen wir Gefahr, dass sie in die Stadt abwandern.“ Deshalb war es unbedingt notwendig, etwas zu tun. Die Arbeitsgruppe Mobilität, ein Zusammenschluss aus ehrenamtlich tätigen Bürgermeister*innen, Gemeindevertreter*innen, der ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten, interessierten Bürger*innen und hauptamtlichen Behördenvertretern sowie Beförderungsunternehmen, hat sich mit viel Engagement um die Digitalisierung im Bereich Mobilität gekümmert. So ist das Digitale Mobilitätsportal für das Amt Hüttener Berge, zu dem 16 Gemeinden im Kreis Rendsburg Eckernförde zählen, entstanden. Es ist Vorbild für viele andere Gemeinden, die ebenso einen ländlichen Charakter haben und in denen der öffentliche Nahverkehr nicht ausreicht.

Digitale Vernetzung aller Beförderungsmöglichkeiten der Region

„Wir wollen mit Hüttis Mobilitätsportal ein einfach zu nutzendes Online-Angebot bereitstellen, das alle unterschiedlichen Beförderungsoptionen in der Region vernetzt“, erklärt Andreas Betz, Amtsdirektor des Amtes Hüttener Berge. Dazu zählen der ÖPNV, private Mitfahrgelegenheiten, die eDörpsmobile der Gemeinden, der Bürgerbus mit Hüttis Marktbus, weitere Beförderungsangebote der Gemeinden (beispielsweise zum Landestheater, zu Musikfestivals oder zu Kinobesuchen) sowie Vereinsbusse, Pkw des Amtes, ggf. auch bald noch eBikes und eLastenfahrräder. Die Nutzer können alle Mobilitätsangebote mit Informationen über deren Verfügbarkeit und Nutzungsbedingungen zentral buchen, reservieren und elektronisch bezahlen. Ab August 2019 ist dann das Portal online und für alle nutzbar. 

Für die Realisierung hat das Amt Hüttener Berge eine Projektskizze im Rahmen des Förderprogramms „Land.Digital“ des Bundes eingereicht. Das Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat das Projekt als innovativ und förderwürdig eingestuft und unterstützt es mit 80 Prozent der Kosten in Höhe von 226 100 Euro.

Es lohnt sich, umzusteigen

Durch die Kombination aller Beförderungsmöglichkeiten werden Fahrzeiten und Umstiege minimiert und durch die Bündelung und Reduzierung von Fahrten die CO2-Emissionen reduziert. So können viele Menschen mit wenigen Autos ihre Mobilitätswünsche erfüllen, ohne dass sich jeder ein eigenes Auto vor die Tür stellt. „Ein großer Gewinn für die Umwelt“, freut sich Andreas Betz. „Bei 1000 Kilometern Fahrtstrecke weniger mit dem Auto, egal ob das eine Langstrecke ist oder viele kleine Wege, die mit dem Fahrrad erledigt werden können, werden damit rund 100 Liter Benzin oder Diesel weniger verbraucht, und das erspart der Atmosphäre ganze 250 Kilogramm CO2.“

Zugleich soll auch das eAuto-Carsharing weiter gefördert werden. „Wenn wir es schaffen, dass die ein oder andere Familie ihr Zweit- oder Drittauto abschafft und bei Bedarf das eDörpsmobil nutzt, wäre das schon ein großer Erfolg“, zieht der Borgstedter Bürgermeister und Amtsvorsteher Gero Neidlinger seine Bilanz für das Projekt.

Projektzeitraum: Oktober 2018 - Oktober 2019
Projektträger: Amt Hüttener Berge
Beteiligte Institutionen und ggf. externe
Kooperationspartner:
Land Schleswig-Holstein, Kreis Rendsburg-Eckernförde, Mobilitätsmanager der Region, Betreiber eCarsharing, Gemeinden des Amtes Hüttener Berge
Projektschwerpunkte: - Verkehrsvermeidung
- E-Mobilität
- Förderung des ÖPNV
- Förderung des kombinierten Verkehrs („modal split“)
- Nachhaltige Mobilität im Tourismus
Kommunikationsmaßnahmen/ Bürgerbeteiligung: Mit Hilfe einer Online-Befragung aller Einwohnerinnen und Einwohner in der Gebietskulisse des Amtes sollen Erfahrungen und Erwartungen strukturiert aufgenommen werden. Diese Erhebung - unterstützt von ortsansässigen Medien und Gemeindevertretungen - soll der weiteren Ausgestaltung des Projekts nicht nur den zu seiner Akzeptanz nötigen Bedarfsbezug verleihen. Mit der Befragung ist auch die Identifikation von Ansprechpartnern verbunden, die im weiteren Projektverlauf als "Scharniere" zwischen Projektteam und EinwohnerInnen wirken sollen. Anregungen und Kritik aus den Reihen der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer sollen auf diese Weise ebenso unmittelbar in die Projektplanung und -Umsetzung einfließen wie umgekehrt Informationen und Planungen der Projektleitung die Zielgruppe der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer erreichen sollen. Um die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer frühzeitig und umfassend in den Prozess der Softwareentwicklung und -Anpassung einzubinden, folgt das Amt Hüttener Berge dem "Living-Lab-Konzept", das sich bereits in vielen Bereichen der benutzerorientierten Entwicklung und Umsetzung von Konzepten auch im kommunalen Bereich bewährt hat. Im "Living Lab" werden Bürgerinnen und Bürger, Lösungsarchitekten und Produktentwickler in einem Gesamtteam integriert, um Erwartungshaltungen sowie das verfügbare Fach- und Erfahrungswissen zu verbinden. Hierzu wird in den Räumen der Amtsverwaltung eine "Digitale Werkstatt" als Koordinations- und Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger geschaffen, die die digitalen Angebote aktiv mitgestalten wollen. "Architekten" und Entwickler der digitalen Angebote werden regelmäßig von interessierten Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von Themenpaten und Mitgliedern handlungsfeldbezogener Fokusgruppen ansprechbar sein. Projekte können nur gelingen, wenn sie auf einer breiten Akzeptanz beruhen, die alle Bevölkerungsgruppen einbezieht. Ohne diese Zustimmung ist die  Wahrscheinlichkeit groß, dass die digitale Gemeinde zu einer von der Verwaltung getragenen Initiative verkümmert, die nur einen Bruchteil des ihr zugedachten Wirkungsgrads erreicht. Vor diesem Hintergrund kommt neben den vorgesehenen Formaten der frühzeitigen und fortlaufenden Bürgerbeteiligung in Form der Online-Befragung sowie der Einrichtung einer AG "Mobilität" einer wirkungsvollen Zusammenarbeit mit der lokalen Presse eine große Bedeutung zu. Da das Amt Hüttener Berge bereits mit verschiedenen innovativen Projekten hervorgetreten ist und dabei stets großen Wert auf breite Öffentlichkeitsarbeit gelegt hat, verfügen die Projektverantwortlichen über einen Zugang zu wichtigen Vertretern auch überörtlicher Medien. Das Projekt kann damit an belastbare Kontakte zu Medienvertretern anknüpfen.
Innovationsmerkmale: Funktional bietet das Mobilitätsportal erstmals eine weitgehende Integration der bestehenden Förderungsmöglichkeiten unter einer benutzerfreundlichen Oberfläche. Dabei werden die verschiedenen Beförderungsoptionen (Bürgerbus, Mitfahrbank, ÖPNV, eCarsharing) in Abhängigkeit vom Beförderungszeitpunkt sowie der Ausgangs- und Zielposition des Anfragenden dynamisch kombiniert,
um die Warte- und Fahrzeiten sowie die Umstiege zu minimieren. Dieses Konzept ist sehr innovativ und kann für zahlreiche andere Gemeinden beispielgebend sein. Die Neuentwicklung erfolgt dabei auf Grundlage bzw. in Erweiterung vorhandener Modelllösungen. In diesem Zusammenhang werden sich wichtige innovative Erkenntnisse hinsichtlich der modularen und arbeitsteiligen Erweiterung einer bestehenden offenen Plattform unter Berücksichtigung der jeweiligen Landesstandards ergeben. Diese Erkenntnisse, die im Abschlussbericht dokumentiert werden, dürften auch für andere Gemeinden nützlich sein, die ggf. auf der Basis einer modularen Plattform andere digitale Angebote realisieren möchten. Ferner ist das Amt bestrebt, bei der Verbesserung des Mobilitätsangebots die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im ländlichen Raum besonders zu berücksichtigen und seine Attraktivität insbesondere für junge Familien zu verbessern.
Übertragbarkeit/ Vorbildfunktion: Das Konzept einer weitreichenden Integration vorhandener Beförderungsoptionen ist für eine Vielzahl
von Kommunen bundesweit von hohem Interesse. Daher dürfte die Übernahme der Lösung "Hütti macht mobil!" für andere Gemeinden oder Ämter sehr attraktiv sein, zumal die Übertragbarkeit dieses digitalen
Angebots infolge seiner modularen Struktur und der Orientierung an technischen Standards in besonderem Maße gegeben ist. Die modular konzipierte Portallösung wird interoperabel, skalierbar und übertragbar sein. Das Amt Hüttener Berge versteht sich als einer der Schrittmacher innovativer Entwicklungen auf kommunaler Ebene im Land Schleswig-Holstein. Wir haben daher langjährige Erfahrung in der Weitergabe der Erkenntnisse aus unseren verschiedenen Modernisierungsvorhaben, an die wir bei "Hütti macht mobil!" nahtlos anknüpfen werden. Gemeinsam mit dem Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag hat das Amt Hüttener Berge Einladungen zur Mitarbeit bei der Konzeption und Entwicklung einer digital unterstützten MOBILITÄTSPORTAL für die schleswig-holsteinischen Kommunen in den Feedbackgruppen ausgesprochen. Um die landesweite Nutzbarkeit dieser in Hüttis Digitaler Werkstatt geplanten Lösung bestmöglich vorzubereiten und die unterschiedlichen Bedarfslagen in den Regionen unseres Landes zu berücksichtigen, werden ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierte mit Erfahrung im Bereich der Mobilität (speziell im ländlichen Raum) gebeten, aktiv in unserem Projekt mitzuwirken. Ziel dieser Mitwirkung ist die fachliche Unterstützung der Anforderungsdefinition sowie der Überprüfung der Praxistauglichkeit der im Zeitraum Dezember 2018 bis Oktober 2019 entstehenden Portallösung. Eine Übertragbarkeit ist daher erklärtes Projektziel.
Kosten: 250.000 €
Förderung / Kostenanteil Kommune: Förderung aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Höhe von 187.256 € Eigenmittel Amt damit 62.744 €
Mobilitätskonzept: Im Rahmen der 2012 vom Amt Hüttener Berge initiierten Erarbeitung einer "Zukunftsstrategie Daseinsvorsorge" wurden die amtsspezifischen Handlungsbedarfe unter Berücksichtigung des demografischen Wandels untersucht, um die Attraktivität der amtszugehörigen ländlichen Gemeinden in Konkurrenz zu den benachbarten Städten durch konkrete und bedarfsgerechte Maßnahmen zu verbessern. Zu den identifizierten Themenbereichen mit eindeutig hohem Handlungsbedarf zählt neben Kita-Versorgung, Nachbarschaftshilfe und Förderung ehrenamlichen Engagements auch die Verbesserung des Mobilitätsangebots im ländlichen Raum. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme des difizitären Mobilitätsangebots bildeten den Auslöser für die Gründung der Arbeitsgruppe Mobilität im September 2013, die sich überwiegend zusammensetzt aus interessierten Bürgerinnen und Bürgern, ehrenamtlichen Mitgliedern der Gemeindevertretungen und Vertretern von Beförderungsunternehmen. Verschieden Initiativen wurden beschrieben. Vor diesem Hintergrund soll das Projekt "Hütti macht mobil!" die digitale Plattform für ein bedarfsgerechtes, routen- und auslastungsoptimiertes ganzheitliches Mobilitätsangebot bereitstellen.
Ferner hat die Kiel-Region ein Mobilitätskonzept erarbeitet. Wir freuen uns, dass wir aufgrund unserer Erfahrungen an der Erstellung des Mobilitätskonzeptes mitwirken durften.
Weitere Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität: Vorhandene Mobilitätsangebote, die jetzt mit diesem Projekt über ein digitales Mobilitätsportal gebündelt werden sollen.
eingereicht für Wettbewerb: 2019


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