Solare Wärme für Preetz

„Im Dezember 2014 hatte die Kreisverwaltung Plön nach Dänemark eingeladen. Wir schauten uns dort Solarkollektoranlagen mit Erdbeckenspeicher an“, blickt Hans Eimannsberger, Vorstand der Preetzer Bürger Energiegenossenschaft, kurz PreBEG, zurück. „Das hat mich damals so beeindruckt, dass ich dachte, das können wir auch. Es war der entscheidende Anstoß zum Handeln. In Preetz sollte eine regenerative Wärmeerzeugung mit einem hohen Anteil an Solarthermie samt Nahwärmenetz entstehen.“

 Mit viel Energie dabei

 Gesagt, getan. Es folgte eine von der Stadt Preetz beauftragte Machbarkeitsstudie, aus der hervorging, welche Fläche besonders geeignet ist und dass nur eine Energiegenossenschaft die Umsetzung realisieren kann. Im April 2017 war es so weit: Die PreBEG Manfred Machholz entstand. Klingt einfach, war es aber nicht immer. „Sie brauchen für so ein Vorhaben einen Kümmerer, einen Förderer, kurzum einen echten Hans Dampf in allen Gassen. Das ist in unserem Falle tatsächlich auch ein Hans, nämlich Hans Eimannsberger“, berichtet sein Vorstandskollege bei der PreBEG Hans Kohlhäuser. Es ist spürbar, dass in diesem Projekt im wahrsten Sinne des Wortes viel Energie steckt – von allen Beteiligten. „Ohne Hans stünden wir heute nicht da, wo wir stehen.“

Über 200 Kommanditisten

Heute, gut zwei Jahre später, befindet sich das Projekt tatsächlich in der Planungsphase. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Das gewählte Preetzer Wohnquartier Glindskoppel/Wunder’sche Koppel mit circa 1 000 Wohneinheiten soll künftig mit nahezu 100 Prozent regenerativer Wärme versorgt werden. „Für unsere Preetzer Bürger Energiegenossenschaft haben wir inzwischen 205 Mitglieder gewonnen. Damit haben wir die magische Grenze von 200 überschritten und erfüllen eine wichtige Forderung der Banken, die das Projekt finanzieren“, erläutert Eimannsberger. „Es gibt eine genaue Analyse, wie die Wärmeversorgung zukünftig allein mit regenerativen Energien gesichert werden kann. Am Rande des Quartiers befindet sich auf dem Hof Hörnsee eine Biogasanlage. Zusätzlich verfügt der Hof über große Flächen an Grün- und Ackerland. 11 Hektar sollen zukünftig für eine große Freiflächen-Solarthermie-Anlage genutzt werden sowie für einen Langzeit Wärmespeicher.“

 Eine besondere Lage

Eine besondere Herausforderung stellt die Lage der Flächen dar. Sie gehören zur Gemeinde Pohnsdorf und liegen sowohl im Landschaftsschutz- als auch im Wasserschutzgebiet. „Mit der Aufstellung der Anlagen für die Nahwärme an diesem Ort sind wir sicher Vorreiter. Da ergeben sich noch einmal ganz neue Fragestellungen. Das Gute daran: Andere Kommunen können sich unsere Erfahrungen später zunutze machen“, fährt der Ingenieur Eimannsberger fort. „Die Gemeinde Pohnsdorf hat den Aufstellungsbeschluss gefasst und die PreBEG hat ein Ingenieurbüro mit der Entwicklung des vorhabenbezogenen B-Plans beauftragt.“ Alle politischen Parteien in der Stadt Preetz stehen hinter dem ehrgeizigen Projekt. „Das Team der PreBEG leistet großartige Arbeit. Auf allen Ebenen und besonders in der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.“ Dies bestätigt auch Björn Demmin, Bürgermeister der Stadt Preetz. „Die Zusammenarbeit bei diesem Projekt ist super. Auch die Gemeinde Pohnsdorf unterstützt uns mit 100 Prozent. So was hat man selten.“ Dieser Rückhalt ist immens wichtig, denn um auch die Bürger von der Umstellung von fossilen Brennstoffen für eine regenerative Wärmeversorgung mit einem weit verzweigten Nahwärmenetz zu gewinnen, bedarf es viel Überzeugungskraft.

 „Da alle Haushalte im Quartier über einen Öl- oder Gaskessel verfügen, ist es eine ziemliche Herausforderung, die Menschen für die regenerative Wärmeversorgung zu gewinnen. Es ist deshalb enorm wichtig und notwendig, dass sich kurzfristig die Rahmenbedingungen insbesondere durch die Einführung einer sozial ausgewogenen CO2-Steuer ändern. Warum werden Ölheizungen heutzutage noch durch Förderprogramme subventioniert? Das macht keinen Sinn. Vor allem, wenn die Klimaziele bis 2050 erreicht werden sollen.“ Man spürt, wie wichtig Eimannsberger das Vorhaben ist. „Mit dem neuen Nahwärmenetz können 20 Prozent der Privathaushalte sowie kirchliche Gebäude und Liegenschaften der Stadt Preetz angeschlossen werden. Damit erzielen wir eine CO₂-Ersparnis von 2 600 t. Können Sie sich vorstellen, wie viele Buchen dafür Photosynthese betreiben müssen? 208 000 Buchen. Wenn Sie diese Buchen mit einem Abstand von 5 Metern in einer Reihe anpflanzen, ergibt dies eine Strecke von Preetz bis Salzburg. Ganz ehrlich, wir können uns diesen CO₂-Ausstoß nicht mehr leisten. Das bekommt unsere Natur nicht hin.“ In Preetz steuert man deswegen gegen – mit viel Energie, Herzblut und einem Nahwärmenetz – gespeist ausschließlich mit regenerativer Energie!

 

Projektbeginn:Nov. 2016 - Nov. 2020
Projektträger:Projektträger ist die Preetzer BürgerEnergieGenossenschaft (PreBEG).Die Stadt Preetz ist selbst Mitglied der Genossenschaft und wird die städt. Schwimmhalle und die Hermann-Ehlers-Schule mit Sporthalle an die Nahwärmeversorgung anschließen. Der Bürgermeister der Stadt Preetz ist Aufsichtsratsvorsitzender der PreBEG.
Beteiligte Institutionen und ggf. externe Kooperationspartner:Beteiligt sind:
- Gemeinde Pohnsdorf
- Amt Preetz-Land
- Stadt Preetz
- Kreis Plön (Kreisplanung, untere Naturschutzbehörde)
- EKSH (Förderung der Machbarkeitsstudie)
- AktivRegion Schwentine-Holsteinische Schweiz
- Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
- Innenministerium SH
- Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung,
- Staatskanzlei SH
- Genossenschaftsverband e.V.
- Förde Sparkasse
- Volks- und Raiffeisenbank Nord e.G.
- Verein "Leben auf der Glindskoppel e.V."
- Nordkirche mit ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz
Art der Maßnahme:Das Konzept ist soweit entwickelt, dass im 2. Hj. 2019 mit der Realisierung begonnen werden kann.
Konkrete Schritte dazu sind bzw. waren:
- Durchführung von zwei Planungsgesprächen mit Vertretern der Gemeinde Pohnsdorf, des Amtes
Preetz-Land, der Kreisverwaltung (Kreisplanung und untere Naturschutzbehörde), des
Innenministeriums SH, der Staatskanzlei, dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt,
Natur und Digitalisierung,
- Gründung der Preetzer Bürger Energie Genossenschaft im April 2017 (derzeit 180 Mitglieder)
- Vereinbarung mit zwei Banken über die Finanzierung der Planungs- und Genehmigungsaufwendungen
sowie über die Finanzierung der gesamten Investitionen des 1. Bauabschnitts (10,5 Mio.€) mit
Zinskonditionen, Darlehenslaufzeit etc.
- Erstellung eines Vorhaben- und Erschließungsplans (VEP) für das Projekt in der Endausbaustufe
- Einreichung des VEP bei der Gemeinde Pohnsdorf und dem Amt Preetz-Land (erwartet wird in Kürze
ein Aufstellungsbeschluss der Gemeinde Pohnsdorf)
- Beauftragung und Erstellung eines Artenschutzgutachtens (Bericht liegt vor)
- Beauftragung eines vorhabenbezogenen B-Plans
- Beauftragung eines Planungsbüros für Tiefbau zur Planung der Bahnquerung im Bereich der
Albrechtskoppel (Genehmigung der Deutschen Bahn zur Bahnquerung wird in Kürze erwartet)
Maßnahmen zur Bürgerbeteiligung: Die Bürgerbeteiligung erfolgt auf unterschiedlichen Wegen:
- Pressearbeit
Es wurden bislang mehr als 25 Presseartikel in den Medien, die in Preetz verbreitet sind (Kieler
Nachrichten, Der Reporter, Kieler Express) veröffentlicht. Zusätzlich wurden 2 Artikel in der Fachpresse (Sonne,Wind & Wärme) veröffentlicht.
- Meilensteine
Besondere Ereignisse, die in Bezug zu diesem regenerativen Wärmewendeprojekt stehen, werden
genutzt, um diese öffentlichkeitswirksam zu vermarkten (z.B. Verleihung des Bürgerpreises, Ausstellung in der Förde Sparkasse etc.)
- Veranstaltungen/Events
Die PreBEG führt zusammen mit der Kirchengemeinde und dem Verein "Leben auf der Glindskoppel e.V." ein Sommerfest sowie ein Weihnachtsfest durch. Dazu gibt es eine Tombola mit Preisverlosung, Musikaufführungen, Hüpfburg, Tanzdarbietungen etc. Diese Veranstaltungen sollen zu einer festen Einrichtung im Jahreskalender werden. Im September 2017 kam Dr. Habeck zur Unterstützung der PreBEG und des Nahwärmeprojektes nach Preetz. Für diese Veranstaltung wurde über die örtliche Presse und durch persönliche Einladungen geworben. Mehr als 120 BürgerInnen hörten den mitreißenden Vortrag von Dr. Habeck, der dann nahezu 2 Stunden für Fragen und Diskussion zur Verfügung stand.
Im Oktober 2017 und im September 2018 wurden durch die PreBEG Bus-Informationsfahrten zu großen
solaren Anlagen in Dänemark organisiert. Die Teilnahmerzahlen und deren Resonanz war sehr positiv.
- Werbung neuer Mitglieder und Netzwerkbildung
Die PreBEG hat über mehrere Wochen im Gemeindesaal der Bodelschwingh-Kirche Fach-Beratungen zum Thema Nahwärmeversorgung durchgeführt. Es wurden Flyer erstellt, die die Bürgerinnen und Bürger ausführlich über das Projekt, dessen Zielsetzung, Effekte, Kosten etc. informieren, erstellt und in allen Briefkästen verteilt. Mitglieder aus dem Werkteam der PreBEG informieren durch Haus-zu-Haus-Beratungen und auf Nachbarschaftstreffen. Die PreBEG wird regelmäßig zu Veranstaltungen des Vereins "Leben auf der Glindskoppel" eingeladen und berichtet über den aktuellen Stand der Planung und der Mitgliederentwicklung. Die PreBEG wird regelmäßig von den politischen Parteien zu deren Fraktionssitzungen eingeladen und berichtet über den aktuellen Stand der Planungen, die Mitgliederentwicklung und mögliche Unterstützungsmaßnahmen durch Politik und Verwaltung. Die PreBEG informiert auf unterschiedlichen Wegen die Gemeindevertreter der Gemeinde Pohnsdorf und berichtet über den aktuellen Stand der Planungen und der Mitgliederentwicklung.
Die PreBEG führt mit den Schornsteinfegern, den Stadtwerken Kiel und den Heizungsinstallationsunternehmen Gespräche über mögliche Kooperationen und berichtet über den
aktuellen Stand der Planungen und der Mitgliederentwicklung. Jeweils einmal pro Quartal werden die Mitglieder der PreBEG über das Internet und - sofern kein Internetanschluss besteht - über einen Rundbrief mit aktuellen Informationen über den Stand des Projektes und über sonstige interessante Informationen zu den Themen Energie und Klimaschutz in Kenntnis gesetzt. Die PreBEG ist durch einen eigenen Infostand und Fachvorträge fest eingebunden in die Durchführung der Preetzer Klimaschutztage. Dieser findet zum dritten Mal am 19.01.2019 statt. In den Räumen der Förde Sparkasse in Preetz wurde im September/Oktober 2018 eine Ausstellung mit den technischen Komponenten der Wärmeversorgung (Hausstation mit Wärmetauscher, Modell eines Solarkollektors, Hausanschlussleitungen etc) sowie ergänzendem Informationsmaterial durchgeführt.
Die Ressonanz war sehr gut. Mitglieder des Werkteams beteiligten sich sehr erfolgreich mit eigenen PreBEG-T-shirts am Preetzer Stadtlauf und am Wettbewerb"Stadtradeln 2018". Ständig gepflegt wird auch die Internetpräsentation der PreBEG, die mit www.prebeg.info erreichbar ist.
Beitrag zum Ausbau Erneuerbarer Energie:Besondere Kennzeichen des Projektes:
- Umstellung von i. W. fossiler Wärmeversorgung auf nahezu 100 % Erneuerbare Wärme.
- Versorgung von ca. 20 % der Preetzer Bürgerinnen und Bürger mit nahezu CO2-freier Wärme
Zur Anwendung gelangen im 1. Bauabschnitt:
Freiflächen-Solarthermie: 19 %
Biogas-BHKW-Abwärme: 15 %
Holzhackschnitzelkessel: 61 %
Erdgas-/Biomethankessel für Spitzenlast/Redundanz: 5 %
Primärenergiefaktor: 0,22
Energieeinsparung:

Das Projekt zielt vorallem auf CO2-Minimierung.
Es ist feststellbar, dass trotz umfangreicher Förderprogramme die Bereitschaft von Hausbesitzern zur umfassenden Durchführung von Energieeinsparmaßnahmen aus unterschiedlichen Gründen nach wie vor als gering einzuschätzen ist. Es steht zu vermuten, dass sich dies in absehbarer Zeit nicht ändern wird. Dies umso mehr, als nicht erkennbar ist, dass sich die von Seiten der Politik zu setzenden Rahmenbedingungen in die entsprechende Richtung verändern werden und /oder die Energiepreise für konventionelle Energie "durch die Decke" gehen. Die Initiatoren des Projektes nehmen mit der zurverfügungstellung von nahezu 100 % regenerativer Energie durchaus in Kauf, dass Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung größer dimensioniert werden müssen, als dies der Fall wäre, wenn zuvor die Gebäude umfassend gedämmt und damit Energie eingespart werden würde. Davon ausgehend, dass mit der Verjüngung der Bevölkerungsstruktur auch die Bereitschaft wächst, Energieeinsparmaßnahmen an den erworbenen Wohngebäuden umzusetzen, können dann mit der
Überschusswärme weitere Areale und Quartiere der Stadt Preetz mit regenerativer Wärme aus der
bestehenden Anlage versorgt werden.
Zu deckender Wärmebedarf im Wärmeversorgungsgebiet Glindskoppel/ Wunder’sche Koppel in Preetz:


• 16.000 MWh/a (Erweiterungsgebiet: 6.000 MWh/a)
Bisher genutzte Energieträger:
- Erdgas: 9.100 MWh/a
- Heizöl: 3.400 MWh/a
- Feststoff (Kaminöfen): 3.200 MWh/a
- Flüssiggas: 300 MWh/a
Bisher bereitgestellt im Erweiterungsgebiet durch
- Erdgas: 5.200 MWh/a
- Heizöl:800 MWh/a
derzeitiger CO2-Ausstoß im Wärmeversorgungsgebiet: ca. 2.928 t/a
derzeitiger CO2-Ausstoß im Erweiterungsgebiet: ca. 1.530 t/a
Hinweis: Durch die enge Zusammenarbeit mit der Klimaschutzmanagerin der Stadt Preetz wird
sichergestellt, dass gleichwohl auch im Quartier Glindskoppel/Wunder'sche Koppel
Wärmedämmmaßnahmen initiert und umgesetzt werden.

CO2-Minderung: Der CO2-Ausstoß im Wärmeversorgungsgebiet (1.BA) wird von derzeit 2.928 t/a um 2.653 t/a auf
künftig 275 t/a verringert. Dies entspricht einer CO2-Minderung von 90,6 %.
Kosten des Projekts:Die Kosten für den 1. BA des Projektes werden sich auf ca. 10,5 Mio. € belaufen. Diese Kosten gliedern sich in folgende Einzelinvestitionen:
• Grund und Boden: 95.000 €
• Bauliche Anlagen: 375.000 €
• Wärmenetz und Erzeugungsanlagen: 9.800.000 €
davon entfallen auf:
- Haupt-, Verteil- und Hausanschlussleitungen: 4.500.000 €
- Fördertechnik, Regelung, Pumpen etc. 440.000 €
- Hausanschlüsse: 1.600.000 €
- Solarthermie, Pufferspeicher, Biomassekessel etc.: 1.880.000 €
- Planung, Kostenreserve: 1.380.000 €
• Gründungskosten: 230.000 €

Gesamt: 10.500.000 €
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