Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe und Fährschiffe auf Kiels Westufer (Ostseekai und Schwedenkai)

Gegenstand des Projektes ist die Schaffung der energietechnischen Erschließung und der Ausbau der Hafenanlagen am Ostseekai und Schwedenkai, um den dort anlegenden Schiffen die Möglichkeit zu bieten, während der Hafenliegezeit den bordseitigen Energiebedarf durch eine leistungsfähige Landstromversorgung zu decken. Dadurch können die schiffseigenen Dieselgeneratoren abgeschaltet werden, wodurch eine deutliche Reduzierung der Emissionsbelastungen von Schiffen während der Hafenliegezeit erreicht wird. Die Maßnahme umfasst die Errichtung von Anlagen für die gleichzeitige Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen an einem Liegeplatz am Ostseekai und einem RoRo-Schiff am Liegeplatz am Schwedenkai. Die unterschiedlichen Anforderungen erfordern eine innovative und integrierte Lösung unter Kombination von Frequenzumrichtern und Umspanntechnik und eine Netzanbindung auf Hochspannungsebene (110 kV). In dieser Konfiguration stellt die Anlage ein europaweites Pilotprojekt dar.

Projektzeitraum: November 2018 - Mai 2021
Projektträger: Seehafen Kiel GmbH & Co. KG, 100%-iges Tochterunternehmen der Landeshauptstadt Kiel
Beteiligte Institutionen und ggf. externe
Kooperationspartner:
Landeshauptstadt Kiel, The European Commission, Directorate-General for Mobility and Transport, Stena Line Scandinavia AB, AIDA Cruises – German Branch of Costa Crociere S.p.A, TUI Cruises GmbH, Siemens AG, ABB AG, Stemmann-Technik GmbH
Projektschwerpunkte: - Förderung umweltfreundlichen Güterverkehrs
- Nachhaltige Mobilität im Tourismus
Kommunikationsmaßnahmen/ Bürgerbeteiligung: Pressemitteilungen/ -Events Führungen über die Landstromanlage auf Anfrage Medienfassade, die Luftreinhaltungseffekt der Landstromanlage darstellt
Innovationsmerkmale: Landstromanlagen sind komplexe Versorgungssysteme, die einer Vielzahl unterschiedlicher Anforderung der anlegenden Schiffe entsprechen müssen. Daher empfiehlt z. B. die Norm IEC/ISO/IEEE 80005-1 für Landstromanlagen für Kreuzfahrtschiffe eine Dimensionierung von mindestens 16 MVA bis zu 20 MVA. Eine Landstromanlage, die dieser Norm entspricht, gibt es in Europa gegenwärtig noch nicht. Mit dem Konzept einer 110 kV-Anschlussebene, über die ansonsten nur ganze Städte und industrielle Großverbraucher angebunden werden, betritt Kiel somit Neuland gegenüber den bislang wenigen im europäischen Hafensektor angebotenen und auf Mittelspannung basierenden Landstromanlagen. Dieses Anschlusskonzept hat Pilotcharakter, da es europaweit als erste Landstromanlage der IEC 80005 – 1 Norm entspricht. Insbesondere ermöglicht das Vorhaben eine gemeinsame Versorgung mehrerer Schiffe gleichzeitig, in diesem Fall von einem Kreuzfahrtschiff und der Stena Line. Dabei ermöglicht die Anlage einen variablen Spannungs-, Frequenz und Leistungszuschnitt an den jeweiligen Liegeplätzen. Eine Versorgung von mehreren Schiffen gleichzeitig ist bisher in keinem anderen europäischen Hafen realisiert worden. Im Unterschied zu anderen Anlagen erfüllt dieses Konzept die Leistungsanforderungen der ISO-Norm und stellt genügend Potenzial bereit, um zwei Liegeplätze mit unterschiedlichem Nutzerprofil gleichzeitig mit Landstrom zu versorgen, Leistungs- und Bedarfsspitzen abzudecken und ggf. auch für zukünftige Schiffsgrößen und Mehrbedarfe gerüstet zu sein. Weitere Systemvorteile bestehen darin, dass Investitionskosten für Netzfilter zur Verhinderung von Oberwellen entfallen und Kabelwege zum Netzanschlusspunkt so gering wie möglich gehalten werden.
Übertragbarkeit/ Vorbildfunktion: Die Landstromanlage ist technisch so konstruiert, dass sie einen individuellem Spannungs-, Frequenz- und Leistungszuschnitt für die jeweiligen Schiffe an den Liegeplätzen ermöglicht. Sie ist skalierbar oder reduzierbar in ihrem technischen Umfang und stellt somit ein Modellprojekt dar, das auch auf andere Häfen sowohl im Inland als auch im Ausland übertragbar ist. Kreuzfahrtreedereien, die ihre Schiffe für die Landstromannahme in Kiel ausrüsten, werden ein entsprechendes Angebot auch in anderen Häfen erwarten, um das Konzept emissionsarmer bzw. -freier Hafenanläufe konsequent in ihre Unternehmensphilosophie zu integrieren. Die mit der komplexen Technik in Kiel gesammelten Erfahrungen sind auf andere Häfen übertragbar. Dies gilt mit Blick auf die dort niedrigeren Strompreise gerade auch für skandinavische Häfen, sodass eine weiteren Verbreitung des Landstromprinzips und damit eine überregionale Verringerung der CO2- und Luftschadstoffemissionen im gesamten Ostseeraum unterstützt wird.
Kosten: 13,8 Millionen Euro
Förderung / Kostenanteil Kommune: Förderung durch die Europäische Union, spez. das Programm: TEN-T: Connecting Europe Facility (CEF) i.H.v. 20 % auf förderfähige Kosten (= rd. 1,3 Mio €) 2. Förderung durch das Länderprogramm "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" i. H. v. 75% auf förderfähige Kosten (= rd. 8,99 Mio €) 3. Eigenanteil Projektträger: rd 3,46 Mio. €
Mobilitätskonzept: BluePort Kiel (2018), Unterstützung des Masterplans 100% Klimaschutz der Landeshauptstadt Kiel
Weitere Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität: 100% Nutzung von Ökostrom seit 2014, Europas modernste Anlage zur Abnahme von Schiffsabwasser, Ausbau Elektromobilität in der Dienstfahrzeugflotte und im Hafenumschlag, fortlaufende Umstellung auf LED-Technik, Ausbau Photovoltaikanlagen auf Hafengelände, Gebäudeeffizienzmessungen, Fahrradleasingservice für Mitarbeiter
eingereicht für Wettbewerb: 2021


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