LandKlima: Landwirtschaft macht Klimaschutz. Errichtung einer Gülle- und Gärrestveredelungsanlage in Eggebek.

Die hohen Tierzahlen in einigen Regionen von S.-H. führen zu messbaren Nährstoffüberschüssen und damit zu einer Belastung des Klimas. Der Landkreis Schleswig-Flensburg, zu dem auch die Gemeinde Eggebek zählt, überschritt laut dem 1. Nährstoffbericht SH bereits im Jahr 2015 den Toleranzwert gem. damaliger Düngeverordnung (DüV) um 60 kg N/ha/Jahr. Eine systemische Betrachtung der landwirtschaftlichen Produktion in Bezug auf klimaschützende Maßnahmen mündet unweigerlich in einer Auseinandersetzung mit dem Umgang von im Sinne der (DüV) nicht mehr auszubringendem Wirtschaftsdünger (Gülle) und Gärresten. Das Projekt LandKlima setzt hier an: Es haben sich Landwirte und eine Gemeinde zusammen geschlossen, um eine Lösung zu finden. Durch eine geplante Anlage können im Kreis Sl-Fl von 600.000 m³ überschüssiger Gülle und Gärresten pro Jahr 120.000 m³ aufbereitet werden und gelangen so nicht mehr in die Umwelt. Ein wertvoller Beitrag zur Nährstoff- und THG-Reduktion kann dadurch geleistet werden.

Projektbeginn:Juli 2021 - Juni 2024
Projektträger:Projektträger ist die Bürgerenergie Sauberes Wasser Eggebek GmbH und Co KG. Die Gemeinde Eggebek ist mit mindestens 25% an dem Unternehmen beteiligt./td>
Beteiligte Institutionen und ggf. externe
Kooperationspartner:
Gemeinde Eggebek, Klimaschutzmanagement Region Flensburg, Universität Kiel, IBSH
Art der Maßnahme:Die geplante GGVA wird als eine wichtige Maßnahme zur Reduzierung von THG organischen Stickstoff so aufbereiten, dass dieser qualitativ wie rechtlich mineralischem Dünger entspricht. Konkret werden mit der Realisierung der geplanten GGVA folgende Maßnahmen zur Reduzierung der THG-Emissionen umgesetzt:
1. Errichtung eines 20.000 m³ großen Gülle- und Gärrestlagers
2. Installation eines 7-Stufigen Separations- und Filtrationssystems zur Abtrennung von mindestens 80% des in der Gülle und den Gärresten (GG) enthaltenen Wassers zu naturalisiertem Wasser und zur Wandlung von organischem Stickstoff und Kalium zu mineralischem Dünger.
3. Einbindung eines Feststoffaufbereitungssystems zur Aufreinigung, Abtrennung, Trocknung und Aufbereitung der in GG enthaltenen Pflanzenfasern zu TA-Luft-konform verbrennbaren Brennstoffpellets. 4. Integration einer Phosphatabscheideanlage zur Entfernung des in GG enthaltenen Phosphors und zur Aufbereitung dieses Phosphors zu Phosphorsäure.
Maßnahmen zur Bürgerbeteiligung: Aufgrund des laufenden Genehmigungsverfahrens sind Genehmigungsbehörden auf Kreis- und Landesebene in dem Projekt eingebunden. Darüber hinaus findet eine breite Öffentlichkeitsarbeit statt, ein erster Artikel wurde in der Flensburg Avis veröffentlicht. In den landwirtschaftlichen Fachzeitschriften "TopAgrar" und "Bauernblatt" wird seit Beginn der Planungen von LandKlima berichtet. Auch im NDR gab es bereits einen Beitrag. Zusätzlich wird die BSWE auf den Messen "Agritechnica" sowie der "NORLA" vertreten sein, um interessierte landwirtschaftliche Betriebe zu informieren und als Kunden zu gewinnen. Außerdem sollen Investoren die Möglichkeit haben, sich über das Projekt zu informieren, um ähnliche Anlagen in anderen Regionen zu errichten. Des Weiteren sind nicht nur für interessierte Landwirte/innen sondern auch für die ortsansässige Bevölkerung regelmäßige Tage der offenen Tür geplant. Als Kommunikationsmittel wird ein Film sowie ein 3-D-Modell erstellt, Flyer und Postkarten gedruckt sowie weitere kleine Werbeartikel verteilt.
Beitrag zum Ausbau Erneuerbarer
Energie:
Der elektrische Energiebedarf der Anlage beträgt ca. 6 GWh/a. Diese Energie wird nahezu zur Hälfte durch das BHKW sowie einer auf dem Produktionsgebäude installierten PV-Anlage gedeckt. An sonnigen Tagen kann mehr Energie produziert werden, als für die Anlage benötigt wird. Wird dennoch Restenergie für den Betrieb der Anlage benötigt, wird zur weiteren THG-Minderung der Bezug von Grünstrom anstelle von Graustrom bzw. Strommix hergestellt. Neben der zentralen Thematik des Nährstoffmanagements steht bei der Maßnahme die Nutzung regenerativer Energien sowie Sektorkopplungen im Vordergrund. Zu den Akteuren gehören hier die Anlagenbetreiber, die durch die Nutzung selbst erzeugter regenerativer Energien (Photovoltaik, BHKW) für eine positive Energiebilanz sorgen. Das Thema Sektorkopplung betrifft ferner die Akteure der regional nahegelegenen Industrieunternehmen, die die innerhalb der GGVA entstehende Wärme (Pellets) im Sinne von Power-to-Industry nutzen werden.
Energieeinsparung:Bei dem vorliegenden Konzept für die Errichtung einer GGA steht die Verringerung des Nitrateintrags in Boden und Gewässer im Vordergrund. Da landwirtschaftlichen Betrieben mit diesem Konzept eine Lösung geboten wird, auf die verschärfte Düngeverordnung zu reagieren, kann auf den Betrieben auch von einer Energieeinsparung ausgegangen werden: Da weniger bzw. keine überschüssigen Gülle- und Gärreste gelagert, entsprechend bearbeitet werden müssen (Spülen, Rühren, Ausbringung) und in entfernte Regionen transportiert werden müssen, ist von einer Reduzierung des Energie- und Kraftstoffverbrauchs auszugehen. Der Energiebedarf der GGA wird durch erneuerbare Energie gedeckt. Die Anlage schafft eine Produktion von bis zu 6.500t Pellets (4.500t für den Verkauf, 2.000t für den Eigenbedarf) die einen Heizwert von 5200 kWh/t haben. Das heißt, dass aus den Gülle- und Gärresten Energie produziert wird, die ohne das Verfahren nicht genutzt werden kann. Zusätzlich findet während des chemischen Aufbereitungsverfahrens eine Energieeinsparung statt: Üblicherweise findet anhand des sehr energieintensiven Haber-Bosch-Verfahrens der Aufbereitungsprozess statt. Das Konzept der GGA benötigt im Vergleich nur 1/5 der Energie des Haber-Bosch Verfahrens, um die Gülle- und Gärreste aufzubereiten. Zusätzlich findet eine Energieeinsparung durch die Verringerung der Transportwege statt: unter den angenommenen Parametern werden rund. 100.000 km LKW-Transport pro Jahr eingespart. Im Durchschnitt müsste die Gülle rund 25 km (Annahme) weiter transportiert werden als zur GGVA. Bei 28t Zuladung pro LKW und der Verarbeitungsmenge von 120.000t/a entspricht dies 4285 Touren also ca. 100.000km/a weniger LKW-Transport.
CO2-Minderung: Die CO2-Minderung beträgt 14.240,12t CO2äqu pro Jahr. Diese Minderung lässt sich auf folgende Bereiche des Konzeptes zurückführen: Substitution von fossilen Energieträgern wie Erdgas. Substitution von konventionellen Ressourcen (Kreislaufführung der Nährstoffe in landwirtschaftlichen Betriebsabläufen, Erwerb regional produzierter und präzise ausbringbarer Düngemittel), Wegfall konventioneller Prozessabläufe (Lagerung, Transport und Ausbringung von Gülle- und Gärresten)
Kosten des Projektes:Die Maßnahmen des Projektes „Landklima“ lassen sich in investive und nicht-investive Maßnahmen (Planungskosten) unterteilen. Die veranschlagten Kosten der investiven Maßnahmen orientieren sich an der DIN 276. Die Planungskosten umfassen Baunebenkosten, Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Projektkoordination. Die Kostenaufstellung für das Projekt sieht wie folgt aus: Investive Maßnahmen:
Vorbereitende Maßnahmen 16.175,00 Euro Fundament, Hallenbau, Behälter 1.615.892,16 Euro Aufbau Anlage 10.214.932,84 Euro
Nicht-investive Maßnahmen:
Baunebenkosten 323.200,00 Euro Öffentlichkeitsarbeit 30.000,00 Euro Projektkoordination 5784,60 Euro
Kosten insgesamt: 12.205.984,60 Euro
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